Domain-Reputation statt IP-Reputation
IP-Blacklists richten sich gegen den sendenden Server. Domain-Blacklists richten sich gegen die Domain selbst — und das ist der wesentlich unangenehmere Fall. Eine IP lässt sich wechseln, eine Domain in der Regel nicht. Wer bei Spamhaus DBL gelistet ist, nimmt die Listung auf jeden neuen Server mit.
Domain-Blacklists sind zudem der Grund, warum das Wegwerfen einer verbrannten IP oft nicht hilft: Wenn die in den Mails beworbene oder als Absender geführte Domain gelistet ist, greifen die Filter unabhängig davon, von wo aus gesendet wird.
Welche Listen geprüft werden
- Spamhaus DBL — die maßgebliche Domain-Blacklist, sehr weit verbreitet
- URIBL (multi) und URIBL Black
- SURBL (multi)
- ScrolloutF1 Reputation-Domain-RBL
- NordSpam DBL
Die Abfrage erfolgt parallel; zu jeder Listung wird der Antwortcode ausgegeben.
Wie Domains auf solche Listen geraten
- Kompromittiertes Postfach: Über einen geknackten Account wird Spam mit deiner Domain im Absender verschickt.
- Gehackte Website: Auf der Domain liegt eine Phishing-Seite oder Malware — häufig nach einer nicht gepatchten CMS-Installation.
- Weiterleitung auf schlechte Ziele: Ein URL-Shortener oder Redirect auf der eigenen Domain zeigt auf gelistete Inhalte.
- Domain-Historie: Bei einer gebraucht gekauften Domain wird die Altlast des Vorbesitzers mit übernommen.
- Kollateralschaden: Ein Freemail- oder Shared-Hosting-Anbieter wird pauschal gelistet.
Vorgehen bei einer Listung
Zuerst muss die inhaltliche Ursache weg, sonst wird sofort neu gelistet:
- Website auf Schadcode und fremde Dateien prüfen, CMS und Plugins aktualisieren, Zugänge zurücksetzen.
- Alle Postfächer auf ungewöhnlichen ausgehenden Versand kontrollieren, betroffene Passwörter ändern, MFA aktivieren.
- Offene Weiterleitungen und URL-Shortener auf der eigenen Domain schließen.
- Erst danach das Delisting-Formular der jeweiligen Liste nutzen. Spamhaus prüft manuell und lehnt bei fortbestehendem Problem ab.
Neu registrierte Domains werden von manchen Listen vorsorglich geführt, weil Spam-Kampagnen typischerweise frische Domains verwenden. Diese Einträge laufen nach einigen Tagen von selbst aus — ein Grund, eine neue Domain nicht sofort für Massenversand einzusetzen, sondern das Volumen langsam aufzubauen.