Die Nachbarschaft einer IP-Adresse
Eine IP-Adresse steht nie allein. Sie gehört zu einem Adressblock, der Block gehört zu einem autonomen System (AS), und dieses AS hat einen Betreiber mit einer Geschichte. Für Spamfilter ist diese Zugehörigkeit ein handfestes Signal: Neue, unbekannte IPs werden nicht im luftleeren Raum bewertet, sondern nach dem Ruf des Netzes, aus dem sie kommen.
Das erklärt einen Effekt, über den viele stolpern: Eine frisch gebuchte, nie benutzte IP-Adresse kann von Anfang an schlecht zustellen — nicht wegen etwas, das sie getan hat, sondern wegen der Nachbarschaft, in der sie liegt. Umgekehrt startet eine IP im Adressraum eines etablierten Versanddienstleisters mit deutlichem Vorschuss.
Was AnalyzeMy.Email prüft
- AS-Nummer zu jeder IP, für IPv4 und IPv6 gleichermaßen
- Betreibername — der eingetragene Halter des autonomen Systems
- Land und Registry — RIPE, ARIN, APNIC, LACNIC oder AFRINIC
- Zuteilungsdatum des Blocks
Nachgeschlagen wird über den DNS-Dienst von Team Cymru, also ohne HTTP-Abfrage gegen einen fremden Webdienst. Ausgewertet wird nicht nur die Sender-IP, sondern jede Adresse, die aus dem SPF-Record aufgelöst wurde, und für IP-Bereiche die Netzadresse des Blocks. Im Report lässt sich jede AS-Nummer anklicken; die Details werden dann nachgeladen.
Was du daraus abliest
Passt der Betreiber zum Absender? Eine Nachricht angeblich von einer Bank, versendet aus dem Adressraum eines Billig-Hosters, ist eine Auffälligkeit — nicht als Beweis, aber als Anhaltspunkt neben SPF und DKIM.
Wie viele Netze stehen in deinem SPF-Record? Wenn die aufgelösten IPs über acht verschiedene AS verteilt liegen, versendest du über acht Infrastrukturen. Jede davon kann deine Reputation beschädigen, und jede ist eine Angriffsfläche, falls einer der Dienste kompromittiert wird.
Geteilt oder eigen? Ein großer Anbieter-AS bedeutet meist geteilte Ausgangs-IPs: Deine Zustellbarkeit hängt dann am Verhalten aller anderen Kunden. Eine eigene IP im eigenen Block gibt dir die volle Kontrolle — und die volle Verantwortung, denn sie muss erst aufgewärmt werden.
Praktische Konsequenzen
- Vor dem Umzug nachsehen: Wer auf eine neue Versand-IP wechselt, sollte vorher wissen, in wessen Netz sie liegt und wie dieses Netz dasteht.
- Transaktions- und Werbemail trennen — idealerweise über verschiedene Netze, damit eine Werbekampagne die Passwort-Reset-Mails nicht mit herunterzieht.
- Beim Aufwärmen einplanen: In einem gut beleumundeten Netz geht das schneller. In einem unbekannten Block braucht es mehr Geduld und kleinere Schritte.
- Bei einer Listung prüfen, ob der ganze Block betroffen ist. Manche Listen führen komplette Adressbereiche — dann hilft kein Delisting-Antrag für eine einzelne Adresse.